Fahrradschwimmen   / 31. August 2010

Das war witzig.

Pi mal Daumen   / 21. August 2010

Bei Wikileaks wurden ein paar Planungsunterlagen zur Loveparade in Duisburg veröffentlicht. Sehr interessant ist Anlage 17 (Link 21: loveparade-2010-anlage-17-lopavent-besucherprognose-08-07-10). Es handelt sich um “Prognosen” über die Anzahl der Besucher. Die Eine-Million-Phantasiezahl hat wohl eh keiner ernst genommen. Doch die tatsächliche Zahl konnte anscheinend weder vernünftig prognostiziert werden, noch konnten sich alle Kräfte (Polizei, Veranstalter, Stadtverwaltung) gemeinsam an einem Wert orientieren. Diese Zahl war so geheim, dass sie erst gar nicht vernünftig erhoben wurde. Das Dokument zeigt, wie der Veranstalter aufgrund zwei Erfahrungen (Essen 2007, Dortmund 2008) eine Pi-mal-Daumen-Rechnung auf Basis von persönlicher Meinung und irgendwie abgeleiteten Einschätzungen zusammenstellt und das Ergebnis als streng vertraulich behandelt.

Die Stadt, der Veranstalter und die Polizei konnten offenbar gar nicht an einem Strang ziehen und sich koordinieren, weil jeder sein eigenes Lagebild erstellt hat und, wie auch schon bekannt wurde, die Kommunikation untereinander alles andere als nach Plan ablief.

Wenn man sich zudem anschaut, wie die Nachbereitung der Loveparade von der Stadt Duisburg betrieben wird, ist gut denkbar, dass einfach alles was man über die Vorbereitungen denkt in Wahrheit noch viel schlimmer ablief.

Duisburg ist ein Ort der Schande.

(via)

Ich will Street View in Bielefeld!   / 17. August 2010

Die Stadt Bielefeld möchte von Politikseite aus nicht, dass Google Street-View-Bilder von Bielefeld in Google-Maps zeigt. Warum das so ist, erfährt man nicht. Der in Bielefeld ansässige, tapfere Bürgerrechts-Beschützerverein FoeBuD hat ebenfalls, überraschender Weise muss ich sagen, gegen Street View Stellung bezogen. Argumente gibts auch von der Seite aus nicht. Allerdings einen Verweis auf Argumente von Heribert Prantl, dessen geschriebene Worte mich meistens sofort überzeugen.

Diesmal verstehe ich es aber nicht. Der Artikel hat zwei Thesen: 1. Google macht etwas, was wir dem Staat nie durchgehen lassen würden. 2. Google ist ein nicht-staatliches Imperium, dass längst über jede politisch-rechtliche Schranken hinweg macht was es will.

Zu 1. Wir haben dem Staat bislang krassere Sache durchgehen lassen. “Krasser” weil sie weiter in unsere Privatsphäre hineingreifen, als Google es tut (und tun könnte, bzw. sich trauen würde); weil der Staate es verdeckt tut, ohne dass es jemand mitbekommt & “krasser”, weil der Staat auf Grund gesammelten Datenmaterials direkt loshandeln kann und beispielsweise auf Verdacht oder Gefahrenprognose hin erheblich in mein körperliches Wohlbefinden eingreifen darf.

Diesmal ist der einzige Unterschied, und dass ist wahrscheinlich der Hintergrund von These 2, dass es nicht meine Entscheidung ist, ob ich meine Daten von Google im Tausch gegen Service gebe oder nicht. Denn das Google-Auto fuhr ja durch meine Strasse, ohne dass ich dafür vorher einen Google-Account anlegen musste und darüber Google beauftragt habe, die Daten meiner Hausfassade abzuholen und auffindbar zu machen. Im Gegensatz zu Büchern und Zeitungsartikeln ist die Strasse jedoch tatsächlich öffentlich, allgemein und frei nutzbar. An Googles Stelle würde ich es glatt drauf ankommen lassen. Bzw. wäre ich sehr gespannt, wie ein Gesetz aussieht, dass universal das verhindert, was Google mit Street View macht ohne eine Mega-Tragödie für das öffentliche Leben insgesamt zu sein.

Denn das “öffentliche Leben”, dass der FoeBuD mangels besseren Begriffshokuspokus “Sozialsphäre” nennt, ist nun mal das moderne, digitale und analoge Leben, das wir so führen. So wie ich Mittags recherchieren kann, was abends los ist, kann ich nun räumlich um die nächste Kurve gucken, bevor ich sie passiere. Alles nur Service zum Abbau von Überraschungen und Enttäuschungen. Das ist der ganze Sinn von Gesellschaft. Street View lässt sich überhaupt nicht verhindern, alle arbeiten daran.

Wer Street-View doof findet, noch dazu ohne eigene Argumente, und son Theater veranstaltet, darf nie wieder (mit mir) über Sarah Palin, die deutsche Polizeigewerkschaft oder die BILD lachen, sondern hat sich gerade da eingereiht.

Analoge Neutzneutralitätsanalogie   / 11. August 2010

So schwer ist es nicht, Netzneutralität in Einsdreissig zu bebildern. Man muss nur ein Blick auf die Moskauer Verkehrssituation werfen. Dort gelten nämlich die Regeln, die künftig vielleicht auch bald im Internet gelten. Manche dürfen mit Blaulicht auf gesperrten Spuren fahren, die anderen müssen im Stau stehen.

Zwei Fliegen mit einer Klappe   / 03. August 2010

Die Beschreibung von Patrick Wollny, die ich bei Felix Schwenzel gefunden habe trifft so ziemlich meine eigene Lage. Nervige Probleme, die man schon immer mal lösen wollte.

Also: Anonym Surfen und regionale IP-Schranken überwinden geht auf Knopfdruck und auch, häufig, ohne nennenswerten Geschwindigkeitsverlust. Die weiteren Argumente finden sich im Felix-Schwenzel-Link oben.

Also, auf zum BlackVPN-Global-Package. Mein  Code lautet VBZRZEK

Journalisten   / 02. August 2010

Stefan Niggemeier hat ganz recht. Der Journalismus muss sich fragen lassen, wie er seine Arroganz und Besserwisserei begründet. Allerdings schreibt er an seinem Anliegen vorbei und verwirklicht eine seltsame Paradoxie – eine auf sich selbst verweisende Anklageschrift. Nachzulesen hier.

Dem Leserkommentar von Judy Wenz (21.08. – 21:46) ist meiner Ansicht nach nichts hinzuzufügen:

Dieser Journalistenschelte von einem Journalisten ist mir ein wenig unheimlich. Ich erwarte nicht, dass ein Journalist sich das Sicherheitskonzept eines Volksfestes anfordert, analysiert und bewertet, bevor er eine Zeitungsnotiz verfasst, in der er dieses Volksfest ankündigt.
Die “tragische Geste der Ordnungsmacht” erlebt heute der Normalbürger an jeder Ecke. Es gibt für alles eine Ordnungsvorschrift, so dass man sich auf schlafen, arbeiten und essen beschränken muss, um nicht gegen eine Vorschrift zu verstoßen.
Aus diesem Grund entstand auch die Wut in der Bevölkerung. Dort wo die Polizei wichtig gewesen wäre, fühlte sie sich gerade mal nicht zuständig.
Mit Kritik am Journalismus dieser Tage könnte ich Seiten füllen. Der Punkt ‘Drama Duisburg’ gehört nicht dazu.

Naja, doch noch ein Nachsatz. Die politischen Verwaltungsbeamten, die Journalisten und die Juristen haben unterschiedliche Zuständigkeiten wenn sie das Thema Loveparade in Duisburg behandeln. Die Zuständigkeit der Verwaltung ist, diese Tragödie zu verhindern. Die Zuständigkeit der Juristen ist, diese Tragödie aufzuklären. Und die Zuständigkeit der Journalisten ist, dem entsetzten Bürger die Tragödie zu erklären. Und zwar nicht aus gottgleichen Höhen absoluter Vernunft, sondern mit allen Mitteln, die die Tragödie begreifbar machen – und dazu gehören auch bzw. gerade Schuldzuweisungen. Das kann der gute Journalist jedoch nicht akzeptieren, er glaubt nämlich, er sei für höheres bestimmt. Wer jedoch Wahrheit, Recht und Vernunft als seine Maxime ausgibt, muss Wissenschaftler, Jurist oder Philosoph werden und nicht Journalist!