Seit dem schlimmen Wochenende wurden im Internet zwei gut gemeinte Ideen populär, die bei mir nichts als Entsetzen auslösten. Zum einen die Idee, man könne aus dem unmittelbar über massenmediale Kanäle gesehenen keine Stellung beziehen, die auch Schuldzuweisung mit einschließen – siehe hier. Und zum anderen die Idee, man solle nicht nur so tun als wäre man betroffen, sondern besser Handeln, damit nie wieder solche Tragödien passieren – siehe hier. Darin steckt nämlich der implizite Vorwurf, dass die Betroffenen selbst schuld waren.
Die eigentliche Sachlage ist nämlich folgende: Jeder konnte vom ersten Moment an sehen, warum passiert ist was passiert ist! Ohne wenn und aber. Man brauchte weder spezifische Erfahrung noch spezialisiertes Wissen um zu erkennen was passierte. Viel schlimmer: Menschen die für gewöhnlich solche Veranstaltung besuchen und die vorkommende Enge auf solchen Veranstaltungen in ihrem Leben erfahren haben, sahen sich der Gefahr ausgesetzt, allein durch die massenmediale Berichterstattung spontan oder schleichend Traumatisiert zu werden. Durch die massenmediale Berichterstattung setzte quasi ein physischer Mitvollzug des Geschehenen ein.
Heute war nun der erste Tag, in dem das Weltbild – in dem man beispielsweise durch bloßes Hinsehen wütend werden darf – wieder zurecht gerückt wurde. Man konnte zum einen die Pressekonferenz sehen und spüren, wie entsetzt diejenigen sind, die nun unmittelbar mit der Aufarbeitung der Tragödie zu tun haben. Zum anderen äußern sich hier Menschen, denen man die Ahnung nicht durch gut gemeinte Besserwisserei absprechen kann – und sie äußern sich so, wie es nötig ist. Sie reagieren völlig verständnislos und werfen dem Veranstalter Dummheit, Arroganz und Fahrlässigkeit vor.
Die Frage nach der Schuld stellt sich nämlich nicht mehr. Es geht nun vielmehr um den Aufbau des rechtlichen Rahmens dieser Schuldzuweisungen.









