Die Paradoxie der Piratenpartei   / 29. Juni 2009

…ist, dass schon ihr Name nicht passt. ‚Piraten‘ auf der einen und ‚politische Organisation‘ auf der anderen Seite. Piraten können nur so lange Piraten sein, wie sie sich ausdrücklich neben dem System positionieren. Sie können dann Teile des Systems entern (oder ‘ändern’, wie es so passend heißt), ein kontrollierter Marsch durch die Institutionen geht aber irgendwie nicht. Wer sich in einem System positioniert, kann kein Pirat mehr sein. Man kann als Pirat Parteien entern, aber Partei sein, das passt nicht. Es gibt ja auch keine Lesekinos oder Tretrollstühle.

Bis zur Europawahl, als die Schweden die Piratenpartei-Sache dominierten, dachte ich, dieser kleine witzige Widerspruch sei beabsichtigt und fand ihn von daher lustig. Die deutschen Piraten scheinen ihren eigenen Spaß aber nicht so witzig zu nehmen. Sie sind durch und durch schon Partei.

Statt durch witzige Aktionen aufzufallen, fluten sie Twitter mit Verlautbarungen ihrer Metastasierung. Statt witzige Aktionen zu machen, soll man ins Wiki schreiben, was man für richtig und falsch hält.

Ich bin ziemlich genervt. Wieso seid ihr keine richtigen Piraten? Wieso mit einem Mann den geschloßenen Raum des Bundestags entern statt mit Hunderten den öffentlichen Raum am Feiertag? Wieso lernt ihr von der CDU was es heißt Partei zu sein, statt von den Yes Man, was es heißt, Pirat zu sein?

Und heute früh kommt die Piratenpartei auch noch mit einer „Wer nicht für uns ist, ist gegen uns“-Strategie? Ich find‘s erbärmlich. Die Piratenpartei mausert sich zu einer echten deutschen „Spaßpartei“.

Reaktionen

  1. cyberfux sagt:

    Als Mitglied der PP (und zwar VOR dem #zensursula-hype beigetreten, das möchte ich betonen) kann ich Dir (leider) nur voll und ganz zustimmen!