
Teig, Bananen, Sahne, Teig.

Barack Obama (POTUS) schreibt an Dick Cheney (früherer VPOTUS):
(…) and I’ve disciplined my children by suggesting that you might come down the West Wing chimney and scare them with your ridiculous face.
Oliver Burkeman – All the president’s emails | The Guardian.
Ich habe dieses Präsidentenemail-Dings eben erst gefunden. Da ein bisschen nachzulesen scheint viel Spaß zu bringen.

Jetzt hab ich Tag ein Tag aus diese Serie geguckt und nun ist sie seit gestern einfach vorbei. Wer sie auch gesehen hat weiß, dass sie nicht wirklich vorbei ist – aber man hat nicht mehr so guten Einblick – und es scheint gerade auch nicht die beste Stimmung vor Ort zu sein. Schwer beeindruckt bleibt man nach dem Ende zurück und weiß, dass Leute wie Jed Bartlet nicht nur wilde Hirngespinste sind.
Ich konnte mich lange nicht für Musicals begeistern. Zum einen, weil alle Musicalfilme schlechte Filme sind. Vielleicht ändert sich das, Charlie und die Schokoladenfabrik fand ich als Film z.B. nicht total schlecht. Zum anderen hatte ich bei Musicals immer Sorge, dass sie vielleicht zu routiniert runtergespielt werden und sich letztlich die Aufführungen nicht unterscheiden oder schlimmeres. Es ist, denke ich, eines der wichtigen Merkmale von Theater, das jede Aufführung ein Unikat ist und man als Zuschauer zwei verschiedene Erlebnisse hat, wenn man sich ein Stück zweimal anschaut. Eben weil eine Rolle nicht nur als Rolle sondern auch als jeweils konkretes Spiel eine Herausforderung ist, der sich ein Schauspieler in jeder Aufführung stellen muss.
Ein weiterer Unterschied zwischen Musical und Theater ist jedoch auch, dass im Musical gesungen wird und dass das Singen sogar im Vordergrund stehen kann. Die Gefahr ist, dass auf der großen Bühne die Aufgabe der Publikumsbeeindruckung eher dem Gesang als dem Schauspiel zugeteilt wird. Es ließe sich noch einiges sagen: die großen Masken und Kulissen können vom Schauspiel ablenken. Oder gar: der Schwerpunkt des Stückes selbst kann vom Schauspiel & Handlung in Gesang & Kulisse gelegt werden – man kann sich Stücke vorstellen, denen das gut bekommt – doch dann bevorzuge ich den Film.
Wenn man sich das durchdenkt und plant sich König der Löwen in Hamburg anzugucken, kann man also erst mal viele mögliche Befürchtungen entwickeln. Das Stück wird achtmal in der Woche aufgeführt und im Hintergrund steckt eine Riesenfirma, die sicherlich mehr Geld damit verdient, als viele Bundesligavereine mit ihrem publikumsträchtigen Fußballspiel. Es liegt also nicht fern, nicht zu euphorisch nach Hamburg zu fahren, wenn man ein eingefleischter Theaterfan ist.
Andererseits: Ein Musical hat eine eigene Bühne, die von Grund auf und mit viel Geld nach spezifischen Bedürfnissen gebaut werden kann. Es gibt nicht nur einen Autoren, Regisseur und 5 Hauptdarsteller sondern ein riesiges Künstlerteam, meistens eine bereits auf anderen Ebenen erfolgreiche Vorlage der Handlung. Darüber hinaus viel Geld für den laufenden Betrieb: Hinter der Bühne, unter der Bühne – ein Orchester samt Chor – Masken- und Kulissenbildner mit dauerhaften Budget und viel Geld für die besten Schauspieler und Sänger im weltweiten Vergleich.
Musicals sind also, genau genommen, überdimensionierte Theater in denen alle Beteiligten sich komplett ausleben können. Stücke können über Jahre wachsen und gedeihen – und stets offen bleiben für kleine Änderungen die, richtig platziert, ihre Wirkungen über ihren Moment hinaus entfalten können.
Soweit die Vorarbeit. Über das König-der-Löwen-Musical will ich kurz subjektives theater- und musicalspezifisches sagen.
Schauspiel: Das Stück hat 12 Hauptrollen und pro Aufführung 37 Darsteller auf der Bühne. Jede von ihnen ist in allen notwendigen Hinsichten perfekt. Die beiden Löwenkönige Mufasa und Scar sind darunter nochmal Highlights. Mufasa (Wilson Michaels) hat die Ausstrahlung und afrikanisch-sonore Stimme eines wahren Königs, der zum einen mächtiger Herrscher seines geweihten Lands ist, zum anderen aber auch besorgter Vater – eine Mischung die eine wahre Herausforderung für’s Schauspiel ist. Auf der anderen Seite Scar (Willi Welp), sicherlich das beste Schauspiel das ich jemals auf einer Bühne sah. Ich wüsste gar nicht, wie ich es weiter beschreiben soll. Auf diesem Level könnte man nun das ganze Ensemble beschreiben. Besonders erwähnenswert ist jedoch, dass alle Charaktere keine Menschen sind und viele auch nicht in Form von Menschen gespielt werden. Insbesondere Timo, Pumbaa und Zazu sind Tiere, die auch als Tiere gespielt werden. Im Hintergrund steht zwar jeweils ein Schauspieler (der nicht versteckt wird) aber es spielen tatsächlich die Puppen – und zwar gerade nicht in Form von Puppenspiel sondern als vollkommene, eigene Charaktere. Es fällt einem während der Aufführung gar nicht auf aber man wundert sich im Nachhinein, wenn man erzählen will, wie die Puppen von den Schauspielern gespielt wurden – weil es tatsächlich nur eine Einheit von Puppe und Schauspieler gab – bis hin zum Mimikspiel und einzelnen Fingerbewegungen. In der Hinsicht war es nicht nur erstklassig, sondern eine ganz eigene Klasse von Schauspiel.
Musik: Die Musik ist größtenteils die des Films, die in den wichtigen Nuancen für das Musical adaptiert wurde. Die passendste Anekdote zur Musik stammt von Hans Zimmer selbst. Er hat damals das Angebot von Disney für die Komposition angenommen um seine Tochter mal mit zur Premiere einer seiner Filme mitnehmen zu können. Aber wie es mit Kinderfilmen so ist, sie behandeln das Grundsätzlich und plötzlich musste Hans Zimmer ein Motiv schreiben, dass die Trauer von Simba über den Tod seines Vaters ausdrückt. Letztlich schrieb er die Musik, die seine eigene Trauer über den Tod seines Vaters behandelt. Als Gipfel gab es dafür den Oscar. Der auf ewig einzige Oscar für Hans Zimmer, da er sich heute für jedes Projekt vertraglich zusichern lässt, nicht für den Oscar vorgeschlagen zu werden, da es zu viel Trubel für ihn bedeuten würde. Im Stück selbst wird die Musik live im Orchestergraben dirigiert wobei die Trommler links und rechts im Zuschauersaal offen sichtbar spielen. Hans Zimmer hat bislang nur ein Konzert mit seiner Musik gespielt – er hat zu viel Angst vor dem Publikum und schlecht gespielten Noten. Man muss sagen: wenn man sich eine König der Löwen Karte kauft bekommt man parallel ein live gespieltes, großartiges Hans-Zimmer-Konzert präsentiert, das seine Eigenwerte eigentlich nicht dem Musical unterordnen muss – aber eindrucksvoll tut.
Bühne: Was vielen Theaterstücken fehlt haben Musicals im Überfluss: Möglichkeiten Bühnen in Gänze zu gestalten und dann komplett auszunutzen. Wie beschrieben besteht die Gefahr, dass ein Musical unter zu viel Bühne leiden kann. Das ist in König der Löwen nicht der Fall. Die Bühne ist und bleibt im Spiel relativ leer. Sie steht, wie es sein soll, immer nur kurz im Mittelpunkt und bildet ansonsten genau das i-Tüpfelchen, das eine Bühne bestenfalls sein kann. Die Kulisse wird vor allem über Licht gestaltet. Es steht nichts im Weg und um Afrika, die Sonne und die Weite darzustellen ist es genau richtig.
Masken & Kostüme: Man kann sich die Gesichter des Stücks ergoogeln. Aus der Nähe betrachtet sind sie etwas zu dick aufgetragen – im Rahmen der Bühne und aus der Entfernung des Saals ist es genau richtig. Bis auf Simba durchläuft ja keiner der Protagonisten einen Persönlichkeitswandel – somit konnte von Anfang an jede Persönlichkeit direkt in Farbe und Form ins Gesicht gemalt werden. Hier fällt vor allem wieder Scar auf. Die Kostüme sind, das ist weithin bekannt, einzigartig. Man wird gleich in den ersten 10 Minuten in den Bann geschlagen, wenn alle Tiere durch die Zuschauerreihen auf die Bühne marschieren um den neuen Königssohn zu sehen.
Also zusammengefasst: Der König der Löwen ist ein perfektes Musical. Es überragt alles und ist mit Abstand das atemberaubendste was ich bisher auf einer Bühne sah oder mir vorstelle, was auf Bühnen darstellbar ist. Es ist perfekte Unterhaltung.
(Es gibt Zweit- und Drittbesetzungen der Rollen. Gestern war die Erstbesetzung komplett – ich hoffe das war nicht nur ein Glücksfall. Ich hab bei google auch gesehen, dass es mal Plüschkostüme gab… Die meine ich natürlich nicht.)
Das gucken von ‘The West Wing‘ verändert die Perspektive auf Politik. Es fällt vor allem leichter zu akzeptieren, dass Politik ein langer, unvorhersehbarer Weg ist, der (1) mit kleinen Schritten begangen wird die (2) oftmals nur gelingen, weil sie nicht in der Öffentlichkeit gegangen werden. Man könnte Merkel unterstellen, dass sie sehr erfolgreich oder zumindest engagiert Politik macht, weil sie, wenn man sie sieht, immer sehr müde aussieht.
Die Frage ist jedoch, ob sich eine Person im höchsten Staatsamt so sehr für Politik instrumentalisieren sollte oder ob es nicht doch eher auf Symbolisierung der Person ankommt. Im West Wing jedenfalls, ist der Präsident ein Symbol. Er gestaltet die großen Linien die dann für seinen Stab als Orientierung dient. Und, es gibt eine recht hoch gezogene Thematisierungsschwelle rund ums Oval Office. Der Präsident wird mit Absicht nicht in jede Verantwortung gezogen, damit sein Symbol möglichst unversehrt bleibt. Sein Name sind die letzten Worte, die auf die alltäglichen Gesetze geschrieben werden. Höchsten drei Themen werden direkt von ihm voran getrieben. (usw.)
Es fällt auf – das Kanzleramt arbeit ganz anders. Vielleicht vertraut Merkel ihrem Stab nicht, vielleicht haben sie tatsächlich was verwechselt, vielleicht ist das Kanzleramt zu nah am Parlament gebaut. Wie auch immer. Man kann Merkel nur raten Themen nicht so wichtig zu nehmen, dass man ständig Angst vor ihnen hat, politisches Handeln nicht nur auf politisches Entscheiden zu reduzieren, als Lichtgestalt statt im schwarzen Kostüm aufzutreten und vielleicht zu versuchen, nicht nur im Geschichtsbuch präsent zu sein, sondern auch im (sozusagen) praktischen Gedächtnis der Gesellschaft.
In den beiden (offiziellen) Bildern steckt all das drin.

In einem weiteren Experiment sollten Versuchspersonen, denen die Augen verbunden wurden, auf einem freien Feld versuchen, geradeaus zu laufen. Zufällig wichen die Wege von der geraden Linie ab, und das recht schnell. Manche Versuchspersonen versuchten geradeaus zu gehen und gingen in Kreisen, die manchmal sogar einen Durchmesser mit weniger als 20 Metern hatten. Kleine Abweichungen der sensomotorischen Reize scheinen sich zu verstärken und ein Rauschen zu erzeugen, das die Absicht durchkreuzt. Die Körperwahrnehmung reicht nicht aus, ohne Halt im Außen gerät man in die Selbsttäuschung. Dabei sollen unterschiedlich lange und kräftige Beine (biomechanische Asymmetrien) keine Rolle spielen, und auch andere spezifische “Neigungen” schließen die Wissenschaftler aus.
Die Neigung zum Kreisen könnte dafür sprechen, dass die Menschen lieber im Vertrauten bleiben und sich nicht in der Ferne verlieren wollen. Mit verbundenen Augen und ohne äußere Orientierungshilfen würden sich Menschen nach den Experimenten im Durchschnitt nicht weiter als 100 Meter von ihrem Startpunkt entfernen.
via TP: Warum wir zum Gehen im Kreis neigen.
Es gibt einige interessante Fragen, die Verhalten behandeln, die schlicht mit: “Weil man’s kann” beantwortet werden können. Und genauso gibt es wohl auch Fragen, die man mit “weil man es einfach nicht kann” beantworten kann. Sich auf solch eine einfache Antwort einzulassen, könnte bedeuten, dass man einen logischen Zirkel, der einen keine Antworten sondern immer nur weitere Fragen beschert, die einen immer wieder auf seine Ausgangsfrage zurückführen, durchbricht.
Also: Warum läuft der Mensch im Kreis, wenn er sich nicht orientieren kann? Weil er das Geradeauslaufen eben einfach nicht kann und die wahrscheinlichste Unterscheidung zu Geradeaus-Laufen eben Im-Kreis-Laufen ist.