Mit ‘Uni’ getaggte Artikel

Soziologenangst   / 18. April 2008

Beinah 4 Stunden Hörsaal stecken heute Abend in meinen Beinen. Hörsaal bedeutete (das ist bestimmt sehr Fachabhängig) für uns Seminar-Soziologen mal wieder ein bisschen Grundstudiumsatmosphäre. Viele Gesichter, darunter kaum bekannte, keine Bewegungsfreiheit, freie Sitze in der Mitte und bevölkerte Treppen. (Und, aber das verbuche ich als Sonderfall, keine Klimaanlage.)

Postitiv ist jedoch, dass man mal mitbekommt wie die unbekannten Kommilitonen so ticken. Gerade heute war dies sehr interessant, da es für einige um die existentielle Frage: Was mach ich bloss mit meinem Studium? ging.

Festzuhalten bleiben vor allem zwei Punkte, die mich doch sehr überrascht haben. Erstens, Studenten der Soziologie finden es problematisch, dass es für sie keine Berufsbilder gibt auf die sie sich direkt bewerben können (da folgen dann die oft zitierten Anmerkungen bzgl. der echten Professionen ala Ärtze, Juristen usw.) Zweitens, Studenten der Soziologie und Politikwissenschaften haben Angst, dass ihr mühsam erarbeitetes Wissen zwischen den harten Mühlsteinen der Realität zerrieben wird.

Dazu will ich mir mal zwei Anmerkungen festhalten.

1. Die Angst durch die Wofür-Studiere-Ich-eigentlich-Problematik lässt sich aushebeln in dem man die Frage einfach umdreht. Der Vorteil des Medizin-, Jura-, Lehramtsstudiums ist, dass es dafür vorgefertigte Berufspositionen gibt. Der mitgelieferte Nachteil ist, dass die anderen Berufsbilder für die Absolventen dieser Studiengänge verschlossen sind. Zudem kommt man, wenn man den Fokus etwas öffnet zu einem ganz anderen Bild (das angehende Soziologen eigentlich kennen sollten), dem sich die Frage anschliesst: Wie wird man eigentlich Berater, Verwalter, Manager, Politiker, Beamter, usw? Aus der Berufsperspektive erkennt man so doch recht schnell, dass die meisten der Berufe keinen vorgefertigten Studiengang für Rekrutierungen zur Verfügung haben. Und dann kommt man zu der Frage: Welches Studium eignet sich eigentlich am besten um in eine unbestimmte, offene Zukunft zu gehen? Doch wohl die Soziologie! Wenn mans richtig macht und nicht an verkorksten Unis landet, hat man nach 10 Semestern ein Betriebssystem im Kopf auf dem fast alle Programme der Gesellschaft laufen können. (Spezifische Qualifikationen fehlen natürlich – das Argument hält diesen Umstand aber aus.)

2. Die Angst, nach dem Studium nicht soziologisch tätig zu sein und das angesprochene Betriebssystem langsam wieder zu löschen ist berechtigt, aber auch kein großes Problem. Man kann, muss es aber nicht so homozentrisch besehen wie der Rest der Welt, die glaubt, dass man alles glauben muss, was einem die Alltagssemantik vorgaugelt. Klar liegen die Verlockungen nahe, aber man kann doch sein eigenes Verhalten mitreflektieren. Wenn man einmal richtig Soziologie studiert hat, erkennt man die Drehbücher hinter den Theaterstücken der Welt doch automatisch. Wer trotzdem zum selbstherrlichen Darsteller mutiert, dem ist eben nicht zu helfen. (Der Platz für Soziologen ist sowieso begrenzt.)
Besonders merkwürdig ist an dieser Stelle auch die Theorie-Praxis-Differenz, die immer mitschwingt und einigen vorgaugelt, sie könnten in der Praxis die Theorie hoch halten. Genau besehen kennt die Soziologie keine Praxis. Praxis sind immer die anderen. Nur die Beobachtung der Praxis (auch der eigenen (zugegeben Paradox)) ist Soziologie. Die Grenze ist, für mich, eigentlich eine der fundamentalsten die die Soziologie beschreiben. Das bedeutet aber gerade kein Entweder-Oder. Ohne Praxen keine Soziologie, ohne Soziologie noch komischere Praxen

Insgesamt sind mir die studierenden Soziologen doch etwas zu zaghaft im Umgang mit ihrer Wissenschaft. Sie beobachtet alle Praxen darin, wie sie die Weltherrschaft an sich reissen wollen und mißachten das eigene Potential. Vielleicht sollte man in den nächsten Veranstaltungen dieser Art zusätzlich thematisieren und klären, warum und wie die ‘Stellensuche’ der ‘Initiativbewerbung’ untergeordnet werden sollte/müßte.

(Bild: Pink Dispatcher)

Fragwürdige Pädagogik   / 16. März 2008

Wäre es nicht blöd, in einem mehr als 200-seitigen Prüfungsliteraturreader, der zudem nur so vor Hinweisen zu Ergänzungsliteratur strotzt, in einem der vielen Texte eine Seite wegzulassen, dafür jedoch eine Seite mit dem Hinweis hinzuzufügen, dass die Information die diese Seite enthalten hätte, wenn sie drin geblieben wäre, nicht prüfungsrelevant ist..?

Irgendwie schon. Die Dozenten der pädagogischen Psychologie in Bielefeld sehen es aber anders.

pädagogische Psychologie

Ein weißes Blatt Papier, mit organisatorischen statt inhaltlichen Hinweisen für die nächste Prüfung. Passt doch irgendwie in die neue deutsche Uni-Landschaft (und es geht hier noch um eine Diplomprüfung).

Luhmanns Denkarium   / 04. Dezember 2007

Ich gehöre ja zu denen, die nicht nur andauernd Tokio Hotel hören, sondern auch immer Harry Potter am Erscheinungswochenende zur Hand nahmen und meistens auch binnen 3-Tagesfrist durchlasen. Was, grundsteinlegend für diesen kurzen Beitrag hier, bedeutet, dass ich die Faszination kenne, die im Leser ausgelöst wird, wenn man erfährt, dass Harry Potter die Möglichkeit gegeben wird, Vergangenheit auf der direkten Beobachtungsebene zu erfahren. Das, was sich jeder Historiker wünscht, jeder Nostalgiker bewahrt und wovon Eltern träumen, wenn sie ihre Kinder belehren – passiert Harry einfach so, durch einen Unfall. Er fällt in Professor Dumbledores Denkarium. Eine Schale die mit silbernen, wabernden Gedanken gefüllt ist, in die er hineingezogen wird, als er sich zu nah nach unten beugt, um zu erkennen, um was es sich da handelt.

Nun ist es normalerweise so, dass es sich bei Harry Potter um einen Buchhelden handelt, genau wie bei Dumbledore, der durch seine unendliche Weisheit selbst im Sterben dem Bösen noch ein Schnippchen schlägt. Dieses Denkarium ist als Idee an sich und als Werkzeug im Buch eine der faszinierendsten Dinge, übertroffen vielleicht nur noch von Portschlüsseln und Zelten, die von außen klein aber von innen riesig sind.

Wie auch immer … Solch ein Denkarium gibt es tatsächlich, und noch besser, auch einen dazugehörigen, in seiner unendlichen Weisheit faszinierenden, Dumbledore. In echt heißen sie jedoch: Niklas Luhmann und sein Zettelkasten (eigentlich ist ja sein ganzes Büro ein einziger Zettelkasten).

Und Andre Kieserling ist in dem Fall Harry Potter. Ich habe ja nun das Glück an der Uni Student zu sein, in der er lehrt, wodurch ich ihn regelmäßig (zumindest) erlebe und daher vermute ich, dass er in diesem Radiointerview ziemlich untertreibt und am Wochenende einen wahrhaft bewegenden Moment erlebte, als er Luhmanns Denkarium durchstöbern durfte.

Ob jetzt zu viele Kommas in dem Text hier sind..?

Weltweit Zeitungen lesen   / 16. November 2007

400 Zeitungen aus aller Welt zu lesen, das ist verlockend und mit dem Internet sowieso schon längst möglich. Nun gibt es mittels Internet die Möglichkeit, all diese Zeitungen so zu lesen, wie sie auch vor Ort gelesen werden. Dank http://library.pressdisplay.com.

Bis vor 20 Minuten kannte ich das auch nicht. Aber meine Uni lies mich gerade wissen, dass es diesen Service gibt und das ich ihn als Uni Bielefeld Angehöriger auch nutzen kann. Ich hoffe dieser Test des Service bewährt sich.

Zeitung

Denn wie in vielen anderen Dingen auch, spielt das authentische Erleben eine Rolle. Und wenn man eine Zeitung so liest, wie sie sich gibt und gesehen werden möchte, anstatt sie nur inhaltlich abzugrasen, macht das schon was her.

Link für die Bielefelder: http://www.ub.uni-bielefeld.de/aktuell/aktuell_main.htm#press man braucht nur den VPN-Client der Uni anschmeißen und los geht’s.

Fahrstuhlpoker   / 17. April 2007

mensaSpielgerät: Ein Fahrstuhl den man eh grad benutzen möchte.

Einsatz: Ein Mensaessen.

Ablauf: Man wartet zu zweit auf den Fahrstuhl. Derjenige der später als der andere aber noch vor dem Eintreffen des Fahrstuhls “Jetzt” sagt gewinnt. Man verliert wenn man früher oder gar nicht “Jetzt” sagt.

Ich hab’s noch nicht gespielt. Aber könnte Spass machen. So hoch ist der Einsatz ja nicht wenn man sich auf die langfristige Wahrscheinlichkeitsverteilung beruft.

Bild in Bielefeld   / 17. April 2007

Man, als ich heute in die Uni kam dachte ich das erst Mal unser Rektorat ist tatsächlich bescheuert. Timmermann (unser Rektor) labert eine Rede nach der anderen von Exzellenz, Interdisziplinarität und was es nicht alles gibt und womit man sich eben so brüstet – und dann wird Unihallenfläche an die Bildzeitung vermietet.

Ich bin wirklich gegen viele Arten der studentischen Auflehnung weil es oft zu kindisch und zu ideologisch gemacht wird – aber was bleibt einem anderes als ziviler Ungehorsam übrig wenn man – um von einem zum anderen Teil der Uni zu kommen – immer durch sone blöde “Bildbrücke” watscheln muss und die aufdringlichen Verteiler glaubt, wirklich nur noch mit einem Schlag ins Gesicht loszubekommen.

Ein Schruzz.