Einsamkeit wächst mit dem Wohnraum

Freitag, 4. Januar 2019, 15:13 Uhr

In Deutschland sterben wir, ganz selbstverständlich, in den Häusern, die wir mit dreißig finanziert und gebaut haben. Genauso unhinterfragt ist Einsamkeit eines der größten Probleme, insbesondere alter Menschen. Gibt’s da denn keine Lösung? Wohnt man in der Schweiz in einer Genossenschaft, muss man umziehen, wenn die Kinder aus dem Haus sind. In Deutschland ist dieser Weg zum dichteren peer-group Wohnen häufig verbaut. Zu wertvoll sind uns unsere Wohnungsschätze, deren Preis wohl auch von der Mafia getrieben wird. Transparency International schätzt, dass zehn Prozent des deutschen Immobilienmarkts aus Geldwäsche besteht. Nur das Fernsehen bietet einen Ausweg und simuliert mit abendlichen Talkshows Geselligkeit im leeren Wohnzimmer.

Giandomenico Jardella

Ich gucke funks Dinge Erklärt zur Ensamkeit, SWR Nachtcafe zur Einsamkeit, ich höre SWR2 Forum übers Wohnen und noch Niklas Maak bei ARD alpha. (Transkript)

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9 Gedanken zu „Einsamkeit wächst mit dem Wohnraum“

  1. Cottage Economy Industrialisierungspropaganda.
    Minute 37 super gut was du da ausgegraben hast – genial.

    In einer Doku über das Geldsystem kamen Anthropologen die über die Beobachtung der Einführung des Geldes bei einem Naturvolk berichtet haben und die Veränderungen beobachtet: Die vormals offenen ins Zentrum der Gemeinschaft ausgerichteten Hütten waren nach einigen Jahren alle mit abschließbaren Türen ausgestattet und hatten abschließbaren Kisten als Einrichtungsgegenstände, die neueren Hütten nicht mehr dem Dorfmittelpunkt also sozialen Interaktionraum zugewandt.

  2. Wieland Wagner hat auch ein Buch zum Thema geschrieben: „Japan. Abstieg in Würde“. Es wurde vor ein paar Wochen auch mal in „Andruck“ besprochen.

    1. Ah, sehr gut. Neue Folge ist grad auf dem Weg und durch Zufall hab ich den Text nochmal ausgespart. Dann guck ich lieber direkt ins Buch.

  3. Hi,
    ich wohne seid etwas mehr als einem Jahr mit meiner Familie in einem neuen Wohnprojekt in München. Autofrei, Mehrgenerationen, Gemeinschaftsräume, Werkstätten, Energieeffizienz … Alles selbstverwaltet und selbstorganisiert.
    Eigentlich gibt es in jeder größeren Stadt solche Projekte. Doch selbst in einer Stadt wie München ist es schwer Mitglieder zu finden die bereit sind Geld und vor allem viel Zeit zu investieren. Auch wenn man mit so einem Projekt viel viel Geld (bei uns ca. 100k€) sparen kann und jede Menge Annehmlichkeiten und Individualität gewinnt. Wir haben für 14 Haushalte mehrere Jahre gebraucht.
    Auch die Politik/Behörden sind an soetwas nicht interessiert. Zu kompliziert zu individuell. Sie hat von Anfang an Steine in den Weg gelegt von Bauvorschriften, Befreiungen und Grundstückskauf. ZB. Haben wir kein Auto, mussten aber Parkplätze und Ablöse von ca. 100k€ leisten.

  4. Hallo Stefan und alle anderen,

    großartige Folge, leider habe ich sie erst heute hören können – ich hoffe, mein Kommentar zum Wohnraum kommt nicht zu spät.
    Seit 3 Jahre teile ich mir eine großzügige Wohnung mit einer Schulfreundin. Bei uns beiden sind die Kinder aus dem Haus und die Partner haben sich anderweitig orientiert. Wir sind beide Ü50, heterosexuell, unternehmens- und lebenslustig, mit einem großen Feundeskreis, der sich in Teilen auch überschneidet. Vorher wohnten wir in zwei 3 Zimmer Wohnungen, jetzt teilen wir uns eine 5 Zimmer Wohnung mit großem Garten mitten in der Stadt. Jeder hat 2 Zimmer für sich, Küche und Bad teilen wir und ein Gästezimmer für Kinder oder Freunde haben wir auch. Allein hätte sich keiner von uns die Wohnung leisten können und
    finanziell ist es natürlich sehr attraktiv, Miete und Nebenkosten wie GEZ, Versicherungen, Festnetz & Internet, Strom usw. gehen durch 2. Wir haben unsere Rückzugsbereiche und zum Reden, Rauchen oder Wein trinken treffen wir uns in der Küche. Natürlich ist nicht immer alles nur eitel Sonnenschein, aber im Großen und Ganzen sind wir zufrieden mit der Wohnsituation.
    Meine Mitbewohnerin ist ihrer Tochter gegenüber noch unterhaltspflichtig – und das Finanzamt hinterfragt in jedem Jahr die WG-Situation neu.
    Ich fürchte, so richtig schwierig wird es, sollte eine von uns ihre Arbeit verlieren und auf Hartz4 angewiesen sein, denn von Bedarfsgemeinschaft kann nicht die Rede sein. Vielleicht setzt sich ja so ein Wohnmodell mehr und mehr durch und es wird weniger ungewöhnlich, das auch ältere heterosexuelle Menschen in einer WG zusammen wohnen ohne sich als Bedarfsgemeinschaft zu verstehen.

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