Frauen bleiben chancenlos

Freitag, 18. Oktober 2019, 11:47 Uhr

Was sich mit Geld nicht kaufen lässt, erledigen Freunde. Und was die Gesellschaft nicht leisten kann, bietet die Familie. So verständlich, so problemtatisch in Deutschland. Wenn die erste Miete gleich zwei Gehälter verschlingt und die Betreuung der Kinder ungelöst bleibt, muss eine Familie ziemlich viel leisten. Kinderwunsch und Sicherheitsbedürfnis heißt dann: Der Mann rackert, die Frau steckt zurück. Ist das eine “Retraditionalisierung”, wie Familienministerin Franziska Giffey verwundert anmerkt, oder wird hier die kommende Rentnerrepublik organisiert? Ich schaue in die Pressekonferenz der neuen Shell-Jugendstudie. Sie ermöglicht einen Blick ins Missverhältnis von Demografie und Demokratie und zeigt erschreckend ratlose Forscher und Politiker.

Ich schaue die Pressekonferenz und nenne Andreas Reckwitz: Die Gesellschaft der Singularitäten – Zum Strukturwandel der Moderne und Frank Schirrmacher: Minimum.

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2 Gedanken zu „Frauen bleiben chancenlos“

  1. Ich lese gerade eine sozialpsychologische Studie über Geschlechterstereotype in Japan und Deutschland. Es wurde untersucht inwiefern ein Mann als “more communal” (also wärmer, freundlicher, etc.) wahrgenommen wurde, wenn er in einem frauendominierten Beruf arbeitet. Und ob Frauen als “more agentic” (also wettbewerbsorientierter, durchsetzungsfähig, etc.) wahrgenommen wurde, wenn sie einen männer-dominierten Beruf ausübt. Nach dem Japan und Deutschland in diesen Bedingungen verglichen wurden, schreiben die AutorInnen in der Diskussion noch ein paar interessante Dinge zum Unterschied zwischen Japan und Deutschland, was vielleicht für die “Rentnerrepublik” relevant ist 🙂 LG

    “[…] the gender gap in domestic labour is even larger in Japan than in Germany. In fact, men in Japan spend 93% of their work time on paid labour, compared to men in Germany who spend 55% of their work time on paid labour (United Nations Development Programme, 2007). Furthermore, Japan ranks much lower than Germany on women’s economic participation and opportunity (World Economic Forum, 2011; Germany’s rank: 32; Japan’s rank: 100). Also on the Gender Equity Index (GEI) that reflects the gender gap in education and economic, as well as political, participation, Japan ranks lower than Germany (SocialWatch, 2012; Germany’s rank: 10; Japan’s rank: 107). Regarding unpaid care work, in Japan women spend four times as many hours as men, whereas in Germany women spend two times as many hours as men (Organisation for Economic Co-operation and Development, 2010). Taken together, both in Germany and in Japan, women do more unpaid care work that is associated with communal attributes. Also, in both cultures, men do more market work that is associated with agentic attributes and have larger shares of economic and political participation. Nevertheless, this gender gap is more pronounced in Japan than in Germany.”
    “In other words, despite women’s typical domestic role as a carer, the traits associated with that role (e.g. nurturance) are not more likely attributed to women in Japan. The question remains whether gender stereotypes are formed differently in collectivistic cultures such as Japan.”

    (Steinmetz, J., Bosak, J., Sczesny, S., & Eagly, A. H. (2014). Social role effects on gender stereotyping in Germany and Japan. Asian Journal of Social Psychology, 17(1), 52-60. doi: 10.1111/ajsp.12044, S.57)

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