Die Chance der Grundsteuerreform

Donnerstag, 11. April 2019, 15:27 Uhr

Die Grundsteuerreform steht an. Sie muss dieses Jahr erledigt werden und wird kommende Woche im Bundestag verhandelt. Frage: Ist jeder deutsche Quadratmeter gleich viel wert, oder lässt sich der höhere Bodenwert durch allgemeine Infrasturktur wie Supermärkte und Kindergärten in Fußweite, U-Bahn-Anbindungen zum Hauptbahnhof und Sicherheit durch Polizeistreifen irgendwie steuerlich abbilden? Können sich Eigentümer und Infrastrukturbauer (Kommunen) die Miete als Rendite nicht fairer aufteilen? Hamburg und Bayern sind strikt dagegen. Private Wohnungsbaugesellschaften argumentieren wie die AfD. Die Gründe dafür sind beim Profitkalkül zu suchen, doch da hängt doch noch einiges im Schlepptau. Wir diskutieren es heute vorsichtig an.

Mariano Mantel

Ich gucke Fernsehen zum Thema, höre in Jennys Einmischen Podcast und empfehle euch diesen DLF Hintergrund. (Transkript)

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Demografie als Geschichtsschreiber

Dienstag, 2. April 2019, 14:56 Uhr

Vor 300.000 Jahren wurden die ersten homo sapiens geboren. Seit dem bevölkerten 100 Milliarden von ihnen die Erde. Das bedeutet: Rund 7 Prozent der gesamten Menschheit lebt jetzt gerade. Paul Morland bezeichnet dieses Phänomen eine Menschenwelle, “The Human Tide”, die über den Planeten hinwegschwappt und er bietet in seinem Buch Überlegungen an, die Menschheitsgeschichte der vergangenen 300 Jahre mit ihren Kriegen, Ausbeutungen und Verheißungen auch demografisch zu betrachten. Denn Demografie sei ein relevanter Akteur der Geschichte. Wir nehmen dieses Denkangebot an und gehen den roten Faden Demografie punktuell durch. Denn viele Fragen der kommenden deutschen “Rentnerrepublik” werden hier mit globalem Blick behandelt.

moardin

Ich lese “The Human Tide” von Paul Morland (Audible). Ich empfehle euch “Die Kinder des Prometheus” von Hermann Parzinger. Falls jemand Gunnar Heinsohns Dissertation kennt, sagt mir bescheid. Außerdem höre ich kurz DLF Andruck zu Ian Kershaw “Achterbahn”. (Transkript)

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Facebook als Amtsstube

Dienstag, 12. März 2019, 13:10 Uhr

Wer sind wir bloß und wenn ja, wie viele? An dieser harten Frage scheiterten bislang alle Regierungen. Haus- und Telefonnummern machten uns zur Person mit Rechten. Aber wehe, man war unterwegs. Die Lücke zwischen dem Passagier und seinem Papier ließ sich nie wirklich schließen. Das Smartphone macht es dann richtig kompliziert. 1993 sollte jedes technische Gerät einen “Clipper-Chip” erhalten, um seinen Nutzer erkennbar zu machen, doch das Volk lehnte ab. Seit 2011 gibt es die “National Strategy for Trusted Identities in Cyberspace” (Nstic), deren Anspruch noch niemand gerecht wurde. Doch jetzt, da der Staat es nicht mehr versucht und Public-Private-Partnerships angesagt sind, keimt wieder Hoffnung auf. Kann Facebook endlich liefern, was sich das Weiße Haus wünscht? Digitale Identitäten, und zwar für jeden nur eine – zum Steuern zahlen, Flüge buchen und Medikamente protokollieren? Mark Zuckerberg erfindet Facebook heute nicht neu, er erinnert sich. Die Deutschen sind dabei außen vor. Doch wenn das Experiment gelingt, wird Facebook in unseren Behörden so präsent sein wie Microsoft es heute schon ist. Die Rentnerrepublik braucht diese Innovation.

Stock Catalog

Ich lese “How TikTok Is Rewriting the World” und empfehle euch meinen Text über Facebooks Identitätsmaschine und The Verge: Facebook wants to be WeChat.  Ich höre The Axe Files, The Vergecast und Inside the Hive vom 08. März und This Week in Google vom 06. März und Facebooks Investors Call zum 2. Quartal 2014. (Transkript)

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Das Netz als Gesetz

Samstag, 2. März 2019, 10:22 Uhr

Apple braucht mal wieder eine neue Idee, heißt es. Denn Bildschirme sehen inzwischen alle gleich aus, und Kunden verstehen immer weniger, warum manche fünf Mal mehr kosten sollen. Apples Argument war einmal: Design. Heute ist es: Privacy. Der datensouveräne Kunde braucht s!einen Supercomputer im handlichen Format. Doch die Datenverarbeitung wandert, schon seit einer Weile, vom Gerät ins Netzwerk. 5G, sagt nun der Chef von AT&T, bedeute dass bald alles im Netzwerk passiere.  Bildschirme, ok. Aber wozu noch Datenspeicher und Prozessorkraft im Gerät? Es begann mit dem Streamen von Filmen. Es setzt sich mit Streaming für Spiele fort. Die Rentnerrepublik wird sich im Netzwerk verlieren. Was in ihm wirklich geschieht, weiß niemand. Was die Netze können, zeigt China. Auf die Services zu verzichten, wird unmöglich. Es gelingt vielleicht jungen Hippstern noch, aber alte Menschen brauchen Spracherkennung, automatisierte Beförderung, Logistik bis zur Haustür und Telemedizin – latenzfrei. Das Smartphone allein kann das nicht leisten, es hat ausgedient.

Fouquier ॐ

Ich höre den Vergecast vom 22. Februar und Casey Newtons Aufbereitung zum Facebook-Text, This Week in Google 496 mit Jeff Jarvis, Tomorrow-Podcast 152 mit Josh und Ryan, The Daily vom 25. Februar, das SWR2 Forum vom 6. Februar, DLF Hintergrund vom 26. Februar, bitsundso 617 und Linns Audiokommentar in A!359. Ich lese das SZ-Gespräch mit Philippe Starck, erinnere an meinen Text über Apple vs. Samsung und Lawrence Lessigs “Code is Law”. (Transkript)

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Obergrenze für Mietpreise

Dienstag, 19. Februar 2019, 8:37 Uhr

Ausgerechnet CSU. Von der bayrischen Partei wissen wir zwei Dinge. Sie mag Obergrenzen und sie stellt den Bauminister. Bauen war Horst Seehofer so wichtig, er hat das Thema an sich gezogen, weg vom Umweltministerium, weg von der SPD. Doch dann ließ er die Wohnungsnot links liegen und führte einen Regentanz gegen Flüchtlingsströme auf. Magischerweise ergibt eins und eins tatsächlich zwei. Ja, eine Obergrenze ist für die CSU möglich – bei den Mitpreisen. Das schrieb jüngst ein Berliner Jurist an renommierter Stelle. Die Bundesländer dürften sie beschließen, obwohl Bauen Bundespolitik ist. Denn das Grundgesetz schützt lediglich Eigentum, aber nicht Renditen darauf. Und die Föderalismusreform gibt den Ländern die Kompetenz, Mietrenditen abzuschöpfen. Und dann ist da ja noch die Reform der Grundsteuer.

Andreas Wecker

Ich gucke das Hamburg Journal, eine Arte-Reportage, Panorama, ein Gespräch mit Henriette Reker im WDR, höre Jennys Podcast und lese aus dem Tagesspiegel. Der wichtige Text von Peter Weber stammt aus der JuristenZeitung. (Transkript)

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Babyboom als Taschenspielertrick

Dienstag, 12. Februar 2019, 15:10 Uhr

“Der Babyboom war nur eine Anomalie”, sagen Bricker und Ibbitson in “Empty Planet”. Die Lebensfreude nach dem Krieg und die gestiegene Lebenserwartung täuschten uns darüber hinweg, dass wir schon seit einem Jahrhundert in einer eurasischen Rentnerrepublik leben. Und wir merken: Wir haben keinen Plan, wie mit schrumpfenden Bevölkerungsgrößen und Volkswirtschaften umzugehen ist. Doch das sei die neue Frage nach Krieg und Frieden. Auf der Suche nach den Gemütszuständen hören wir noch ein bisschen Eva Illouz zu und verfolgen japanische Rentner ins Gefängnis, wo sie endlich jemanden zum Reden finden.

Frank Dürr

Wir hören das Hörbuch “Empty Planet” von Darrell Bricker und John Ibbitson (Penguin Verlag) und reden kurz über “The Human Tide” von Paul Morland, das im März bei Hachette erscheint. Eva Illouz’ Buch “Warum Liebe endet” erschien im Oktober auf deutsch bei Suhrkamp. Wir lesen ihr Gespräch mit Anja Reich. Für die BBC war Ed Butler im japanischen Gefängnis. (Transkript)

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Twitter ist unser Schicksal

Freitag, 25. Januar 2019, 14:38 Uhr

Kann man Twitter eigentlich richtig benutzen? Naja, richtig oder falsch. Keine Ahnung. Man kann Twitter jedenfalls nicht nicht nutzen. Sogar Oma Erna werden abends Tweets in den Nachrichten verlesen, wenn Trump – der Diktator über die politische Zeit – es will. Aber wie diskutieren wir darüber? Bislang gar nicht. Mit Robert Habeck verließ nun ausgerechnet einer der progressivsten Politiker die “neuen” Medien. Da steckt also einiges drin, insbesondere für unsere Sicht auf die Rentnerrepublik. Twitter ist nämlich schon heute, und morgen erst recht, unser Schicksal. Und ja, “Twitter” ist Chiffre dafür, dass wir unsere soziale Welt allmählich in Simulation und Spiel der Computer auflösen. Darüber konnte, als Computernetze schon da waren aber die “sozialen Netze” noch nicht, aufschlussreich geredet werden.

Stock Catalog

Ich lese die Tweets von Jack Dorsey und Frank Schirrmacher (1, 2, 3,), bespreche Adam Curry zum kommentierenden Retweet und Joshua Topolsky zur “Dunk Culture” (Moritz und ich haben als Podcatcher über sie gesprochen). Ich empfehle euch Sascha Lobos Text übers vermeinte Gelände; Nick Bilton, der Tristan Harris vom Schachspiel des Silicon Valley gegen unsere Gehirne erzählen lässt. Wir hören die DLF-Rezension zu Franklin Foers Silicon-Valley-Buch und Tech-Insider über Steve Jobs “techfree” Pädagogik. Zum Abschluss lege ich euch den Text über Smartphoneverbote im Silicon-Valley und Farhad Manjoo übers Twitter-Lurken ans Herz. (Transkript)

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Japan ist nah, aber schon weiter

Donnerstag, 10. Januar 2019, 18:44 Uhr

Conan, der Comedian, fährt nach Japan und mietet sich bei “Family Romance” eine Fake-Familie. Was in der Fernsehshow sehr unterhaltsam ist, funktioniert aber tatsächlich. Die Fake-Familien sind echt, man muss sie nur bezahlen. In Japan braucht man nämlich einen Fake-Ehemann, sonst bekommt man keinen Kindergartenplatz. Und manchmal lassen sich die Arbeitskollegen mit einer Trophäe an der Seite beeindrucken. In Deutschland gibt’s das nicht. Oder doch? Hierzulande mieten sich alte Männer als Sugar Daddies junge Frauen, die sich ihrerseits gleich von mehreren Männern anmieten lassen. Soziale Beziehungen lassen sich durch Geldzahlungen sehr viel besser aushalten. Vielleicht ist es ein Erfolgsrezept für die #Rentnerrepublik, die Erfolge im Kampf gegen Einsamkeit sucht.

Mike Reddy

Ich gucke Conan in Japan und den anschließenden Besuch bei Family Romance. Als Link zur Arte-Doku verweise ich euch an eine angemessen witzig geschriebene Rezension beim Spiegel. (Transkript)

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Einsamkeit wächst mit dem Wohnraum

Freitag, 4. Januar 2019, 15:13 Uhr

In Deutschland sterben wir, ganz selbstverständlich, in den Häusern, die wir mit dreißig finanziert und gebaut haben. Genauso unhinterfragt ist Einsamkeit eines der größten Probleme, insbesondere alter Menschen. Gibt’s da denn keine Lösung? Wohnt man in der Schweiz in einer Genossenschaft, muss man umziehen, wenn die Kinder aus dem Haus sind. In Deutschland ist dieser Weg zum dichteren peer-group Wohnen häufig verbaut. Zu wertvoll sind uns unsere Wohnungsschätze, deren Preis wohl auch von der Mafia getrieben wird. Transparency International schätzt, dass zehn Prozent des deutschen Immobilienmarkts aus Geldwäsche besteht. Nur das Fernsehen bietet einen Ausweg und simuliert mit abendlichen Talkshows Geselligkeit im leeren Wohnzimmer.

Giandomenico Jardella

Ich gucke funks Dinge Erklärt zur Ensamkeit, SWR Nachtcafe zur Einsamkeit, ich höre SWR2 Forum übers Wohnen und noch Niklas Maak bei ARD alpha. (Transkript)

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Journalismus nach #Relotius

Donnerstag, 20. Dezember 2018, 17:53 Uhr

Gute Reportagen schreiben und mit ihnen Journalistenpreise gewinnen ist “auch ein ethisches Problem”, schrieb Claudius Seidl schon 2010. Denn gute Reportagen verführen ihren Autor, zu verschleiern, dass sie nicht aus “Fleisch, Blut oder quietschenden Autoreifen” bestehen, auch wenn sie davon handeln, sondern nur aus Worten, die ein Autor wählt, mit denen er wie ein Gott durch das Erleben seiner Leser pflügt. Doch wo ist die “asketische moralische Strenge”, die sich aus dieser Verantwortung ergibt? Beim Spiegel hat nicht nur ein Autor betrogen, sondern ein System versagt. Und ein ganzes jouranlistisches Genre ist daran gescheitert. Nur eingestehen will man es sich wieder einmal nicht. Fürs Schreiben der Rentnerrepublik denke ich heute etwas in Zeitnot darüber nach.

Roland Pernter

Ich lese Claudius Seidls Text von 2010 und Frank Schirrmachers Text von 2011. Erwähnt habe ich einen Text bei den Salonkomunisten und die Reportage von Spiegel-Chefr. Fichtner. Und zur Lektüre empfohlen ist hiermit der Text von Michele Anderson und Jake Krohn aus Fergus Falls.

Noch zwei unangesprochene, aber inhaltlich passende Verweise auf mich selbst. Ich habe 2013 über “Ausgedachte Wirklichkeiten” geschrieben, und damit über eine Annäherung an Politik jenseits des Journalismus. Ich habe vergangenes Jahr in einem Vortrag umrissen, warum es Journalistenpreise gibt: Sie sind das einzige Forum der Verständigung, was guter Journalismus sei.

(Transkript, von Samuel korrigiertes Transkript (ohne Audio))

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