Obergrenze für Mietpreise

Dienstag, 19. Februar 2019, 8:37 Uhr

Ausgerechnet CSU. Von der bayrischen Partei wissen wir zwei Dinge. Sie mag Obergrenzen und sie stellt den Bauminister. Bauen war Horst Seehofer so wichtig, er hat das Thema an sich gezogen, weg vom Umweltministerium, weg von der SPD. Doch dann ließ er die Wohnungsnot links liegen und führte einen Regentanz gegen Flüchtlingsströme auf. Magischerweise ergibt eins und eins tatsächlich zwei. Ja, eine Obergrenze ist für die CSU möglich – bei den Mitpreisen. Das schrieb jüngst ein Berliner Jurist an renommierter Stelle. Die Bundesländer dürften sie beschließen, obwohl Bauen Bundespolitik ist. Denn das Grundgesetz schützt lediglich Eigentum, aber nicht Renditen darauf. Und die Föderalismusreform gibt den Ländern die Kompetenz, Mietrenditen abzuschöpfen. Und dann ist da ja noch die Reform der Grundsteuer.

Andreas Wecker

Ich gucke das Hamburg Journal, eine Arte-Reportage, Panorama, ein Gespräch mit Henriette Reker im WDR, höre Jennys Podcast und lese aus dem Tagesspiegel. Der wichtige Text von Peter Weber stammt aus der JuristenZeitung. (Transkript)

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Babyboom als Taschenspielertrick

Dienstag, 12. Februar 2019, 15:10 Uhr

“Der Babyboom war nur eine Anomalie”, sagen Bricker und Ibbitson in “Empty Planet”. Die Lebensfreude nach dem Krieg und die gestiegene Lebenserwartung täuschten uns darüber hinweg, dass wir schon seit einem Jahrhundert in einer eurasischen Rentnerrepublik leben. Und wir merken: Wir haben keinen Plan, wie mit schrumpfenden Bevölkerungsgrößen und Volkswirtschaften umzugehen ist. Doch das sei die neue Frage nach Krieg und Frieden. Auf der Suche nach den Gemütszuständen hören wir noch ein bisschen Eva Illouz zu und verfolgen japanische Rentner ins Gefängnis, wo sie endlich jemanden zum Reden finden.

Frank Dürr

Wir hören das Hörbuch “Empty Planet” von Darrell Bricker und John Ibbitson (Penguin Verlag) und reden kurz über “The Human Tide” von Paul Morland, das im März bei Hachette erscheint. Eva Illouz’ Buch “Warum Liebe endet” erschien im Oktober auf deutsch bei Suhrkamp. Wir lesen ihr Gespräch mit Anja Reich. Für die BBC war Ed Butler im japanischen Gefängnis. (Transkript)

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Twitter ist unser Schicksal

Freitag, 25. Januar 2019, 14:38 Uhr

Kann man Twitter eigentlich richtig benutzen? Naja, richtig oder falsch. Keine Ahnung. Man kann Twitter jedenfalls nicht nicht nutzen. Sogar Oma Erna werden abends Tweets in den Nachrichten verlesen, wenn Trump – der Diktator über die politische Zeit – es will. Aber wie diskutieren wir darüber? Bislang gar nicht. Mit Robert Habeck verließ nun ausgerechnet einer der progressivsten Politiker die “neuen” Medien. Da steckt also einiges drin, insbesondere für unsere Sicht auf die Rentnerrepublik. Twitter ist nämlich schon heute, und morgen erst recht, unser Schicksal. Und ja, “Twitter” ist Chiffre dafür, dass wir unsere soziale Welt allmählich in Simulation und Spiel der Computer auflösen. Darüber konnte, als Computernetze schon da waren aber die “sozialen Netze” noch nicht, aufschlussreich geredet werden.

Stock Catalog

Ich lese die Tweets von Jack Dorsey und Frank Schirrmacher (1, 2, 3,), bespreche Adam Curry zum kommentierenden Retweet und Joshua Topolsky zur “Dunk Culture” (Moritz und ich haben als Podcatcher über sie gesprochen). Ich empfehle euch Sascha Lobos Text übers vermeinte Gelände; Nick Bilton, der Tristan Harris vom Schachspiel des Silicon Valley gegen unsere Gehirne erzählen lässt. Wir hören die DLF-Rezension zu Franklin Foers Silicon-Valley-Buch und Tech-Insider über Steve Jobs “techfree” Pädagogik. Zum Abschluss lege ich euch den Text über Smartphoneverbote im Silicon-Valley und Farhad Manjoo übers Twitter-Lurken ans Herz. (Transkript)

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Japan ist nah, aber schon weiter

Donnerstag, 10. Januar 2019, 18:44 Uhr

Conan, der Comedian, fährt nach Japan und mietet sich bei “Family Romance” eine Fake-Familie. Was in der Fernsehshow sehr unterhaltsam ist, funktioniert aber tatsächlich. Die Fake-Familien sind echt, man muss sie nur bezahlen. In Japan braucht man nämlich einen Fake-Ehemann, sonst bekommt man keinen Kindergartenplatz. Und manchmal lassen sich die Arbeitskollegen mit einer Trophäe an der Seite beeindrucken. In Deutschland gibt’s das nicht. Oder doch? Hierzulande mieten sich alte Männer als Sugar Daddies junge Frauen, die sich ihrerseits gleich von mehreren Männern anmieten lassen. Soziale Beziehungen lassen sich durch Geldzahlungen sehr viel besser aushalten. Vielleicht ist es ein Erfolgsrezept für die #Rentnerrepublik, die Erfolge im Kampf gegen Einsamkeit sucht.

Mike Reddy

Ich gucke Conan in Japan und den anschließenden Besuch bei Family Romance. Als Link zur Arte-Doku verweise ich euch an eine angemessen witzig geschriebene Rezension beim Spiegel. (Transkript)

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Einsamkeit wächst mit dem Wohnraum

Freitag, 4. Januar 2019, 15:13 Uhr

In Deutschland sterben wir, ganz selbstverständlich, in den Häusern, die wir mit dreißig finanziert und gebaut haben. Genauso unhinterfragt ist Einsamkeit eines der größten Probleme, insbesondere alter Menschen. Gibt’s da denn keine Lösung? Wohnt man in der Schweiz in einer Genossenschaft, muss man umziehen, wenn die Kinder aus dem Haus sind. In Deutschland ist dieser Weg zum dichteren peer-group Wohnen häufig verbaut. Zu wertvoll sind uns unsere Wohnungsschätze, deren Preis wohl auch von der Mafia getrieben wird. Transparency International schätzt, dass zehn Prozent des deutschen Immobilienmarkts aus Geldwäsche besteht. Nur das Fernsehen bietet einen Ausweg und simuliert mit abendlichen Talkshows Geselligkeit im leeren Wohnzimmer.

Giandomenico Jardella

Ich gucke funks Dinge Erklärt zur Ensamkeit, SWR Nachtcafe zur Einsamkeit, ich höre SWR2 Forum übers Wohnen und noch Niklas Maak bei ARD alpha. (Transkript)

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Journalismus nach #Relotius

Donnerstag, 20. Dezember 2018, 17:53 Uhr

Gute Reportagen schreiben und mit ihnen Journalistenpreise gewinnen ist “auch ein ethisches Problem”, schrieb Claudius Seidl schon 2010. Denn gute Reportagen verführen ihren Autor, zu verschleiern, dass sie nicht aus “Fleisch, Blut oder quietschenden Autoreifen” bestehen, auch wenn sie davon handeln, sondern nur aus Worten, die ein Autor wählt, mit denen er wie ein Gott durch das Erleben seiner Leser pflügt. Doch wo ist die “asketische moralische Strenge”, die sich aus dieser Verantwortung ergibt? Beim Spiegel hat nicht nur ein Autor betrogen, sondern ein System versagt. Und ein ganzes jouranlistisches Genre ist daran gescheitert. Nur eingestehen will man es sich wieder einmal nicht. Fürs Schreiben der Rentnerrepublik denke ich heute etwas in Zeitnot darüber nach.

Roland Pernter

Ich lese Claudius Seidls Text von 2010 und Frank Schirrmachers Text von 2011. Erwähnt habe ich einen Text bei den Salonkomunisten und die Reportage von Spiegel-Chefr. Fichtner. Und zur Lektüre empfohlen ist hiermit der Text von Michele Anderson und Jake Krohn aus Fergus Falls.

Noch zwei unangesprochene, aber inhaltlich passende Verweise auf mich selbst. Ich habe 2013 über “Ausgedachte Wirklichkeiten” geschrieben, und damit über eine Annäherung an Politik jenseits des Journalismus. Ich habe vergangenes Jahr in einem Vortrag umrissen, warum es Journalistenpreise gibt: Sie sind das einzige Forum der Verständigung, was guter Journalismus sei.

(Transkript, von Samuel korrigiertes Transkript (ohne Audio))

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Migration als demographische Magie

Mittwoch, 28. November 2018, 13:24 Uhr

Wenn man in Japan hundert Überstunden in einem Monat ansammelt und im nächsten stirbt, geht man in die Karoshi-Statistik der Regierung ein. Es sei denn, man tötete sich selbst, dann ging man den freiwilligen Helfern der Präventionsvereine durch die Lappen, die um Brücken und Clippen spazieren, um Menschen vom Suizid abzuhalten. Man rutscht dann in eine andere Statistik. Wenn sie die Arbeitswelt überleben, ist die Chance inzwischen 50:50 für Neugeborene, einmal hundert Jahre alt zu werden. Mit nichts davon haben wir hier Erfahrung, doch in zehn Jahren sind das alles auch unsere Probleme. Es sei denn, wir denken über Migration neu nach und schaffen es, mehr als 1,57% Erbschaftssteuer zu erheben. Wir sind Protagonisten im spannendsten – und geheimsten – Thriller der westlichen Welt.

yukikei

Ich lese heute Economist, FAZ und gucke Tagesthemen und heute Journal (Transkript)

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Gibt’s wirklich keine Millennials?

Montag, 12. November 2018, 14:19 Uhr

Ein Geist geht um in den Feuilletons. Plötzlich, heißt es, gibt’s keine Millennials mehr, keine Babyboomer und keine Generation X. Die 68er haben ja damals schon versagt. Alles nur eingebildet, herbeigetrickst und ausgedacht. Jetzt wird natürlich fleißig nachgeplappert, was man immer schon wusste. Aber, was liest man wirklich in Martin Schröders Text über den Generationenmythos? Steht da eine Absage an die Generationen drin? Welche X-, Y-, Z-Zuspitzungen sind wirklich “Kokolores”, wie er selbst im Deutschlandfunk sagt? Mit ihrer neuen Sicht auf die Unterschiede der Generationen stellen die Zählmeister der quantitativen Sozialforschung der Soziologie mal wieder ein Bein.

Max Gaines

Ich lese Martins Schröders Text “Der Generationenmythos“, empfehle euch aber “Die Diagnosegesellschaft” von Fran Osrecki. Der Audioclip ist aus der Wochendämmerung. (Autom. erstellt. Trankript)

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Opferolympiaden haben keine Sieger

Montag, 5. November 2018, 19:34 Uhr

Wir haben die alten Institutionen noch, und zwar nicht nur aus Tradition. Aber mit purer Existenz ist noch nicht geklärt, was sie noch leisten können – die CDU, die Kirchen, die Universitäten und die Medien. Sebastian Kurz und Emmanuel Macron haben das neue Gefüge schon auf die Probe gestellt: Möglichst unauffälliges Kompromissefinden und Strippenziehen und wenn es um nichts geht trumpfen sie medial auf. Konkrete Probleme, selbst wenn sie auf der Straße liegen, haben es heute schwer. Der identitätspolitisch begründete, moralische Punkt lässt sich aber immer gut setzen, insbesondere, wenn man mit ihm die Opferolympiade ein Stück weiterdrehen kann. Ist das die Zukunft? Wenn ja, reicht der Treibstoff Tradition zur Aufrechterhaltung der alten Institutionenordnung vielleicht nicht. Der Weg durch die Rentnerrepublik wird lang.

alt, aber nicht überflüssig
Michael Panse

Heute ein buntes Sammelsurium durch eure Hörerkommentare. (Autom. erst. Transkript)

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Hundert, aber nicht alt

Donnerstag, 25. Oktober 2018, 16:37 Uhr

Hundert Jahre, ist das eigentlich alt? In Deutschland hat heute jeder Unterzehnjährige gute Chancen, sein hundertstes Lebensjahr zu erreichen. Also, ja, hundert ist alt, aber bald auch normal. In Japan, wo es heute 60.000 Hundertjährige gibt, plant man schon für sie die neue Gesellschaft. Mit weniger „Hektik und Gedränge“, das ist gut. Aber was ist mit der Freude im Alltag? In Japan altern inzwischen alle Regionen, außer Tokio. Das bedeutet auch, dass die Gesellschaft schrumpft. Japan hat seinen Bevölkerungspeak vor drei Jahren überschritten. In den nächsten dreißig Jahren fällt ein Viertel der Bevölkerung weg. Das ist nicht bloß ein Problem des Gesundheitssystems, sondern der Gesellschaft allgemein. Und Roboter sind keine Lösung.

Freedom II Andres

Ich schaue die Reportage “Im Reich der Hunderjährigen: Asiens alternde Gesellschaft“, die am 21. Oktober in 3Sat lief. Angesprochen habe ich außerdem den IAB-Kurzbericht über die Arbeit der Alten in Deutschland und die Podcasts Mikrodilettanten und die Freakshow. (automat. erstellt. Transkript)

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