Redaktionsschluss · Stefan Schulz

Nachrichtendiät

Kommunikation unter Unbekannten

Wie also, das war die Ausgangsfrage, können wir uns über die Welt, in der wir leben, noch verbindlich verständigen? Geben wir doch einfach zu, dass wir es nicht wissen. Wir können nur hilflos einen letzten historischen Bogen schlagen, um das Nachdenken noch einmal zu befördern: Wir leben heute nicht in archaischen Anwesenheitsgesellschaften. Zumindest das verstehen wir. Wer in einen Zug steigt und hinter dem Horizont verschwindet, bleibt immer noch in der Welt. Die Medien, vom beschriebenen Papier bis zum live übertragenden Fernseher, haben uns mit einer Adresse versehen. Wir wurden überall erreichbar. Nun, im Zeitalter des allgegenwärtigen Netzes, sind wir selbst zu ununterbrochen funkenden Sendern geworden.

In der reichhaltigen, vielfältigen und alltäglichen Kommunikation, in der wir uns verfangen haben, geriet ausgerechnet derjenige aus unserem Blick, mit dem wir uns am dringlichsten über die Welt verständigen müssen – mit dem Unbekannten, von dem wir nicht mehr wissen, in welcher Welt er lebt, weil es in unserer Zeitung nicht mehr steht.